Garten Eden

Wo der Garten Eden blüht – In den südostanatolischen Provinzen Mardin, Adiyaman und Sanliurfa steht man an einer Wiege unserer Kultur

Garten Eden
Bild: Wikipedia

Hier irgendwo muss der alttestamentarisch beschriebene Garten Eden gelegen haben. Und daß er heute noch blüht, ist auch dem Atatürk-Staudamm zu verdanken, der neben dem Strom für die aufstrebende energiereiche Landschaft über ein weltweit einmaliges Tunnel System das Wasser für die prosperierende Landwirtschaft der Gegend liefert. In den südostanatolischen Provinzen Sanliurfa, Adiyaman und Mardin sind neben den regionalen Köstlichkeiten die Schätze unserer frühen Kultur zu besichtigen, deren Wert man gerade hier in besonders beeindruckender Weise erleben und spüren kann.

Sanliurfa, unweit des Atatürk Staudammes gelegen, ist bekannt als Stadt der Propheten. Abraham (Ibrahim), der Urvater der drei monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum, wurde dem Glauben nach hier geboren und hat in dieser Stadt, die alttestamentarisch mit der Stadt Ur in Verbindung gebracht wird, gelebt. Auch ein weiterer Prophet des Alten Testaments und des Koran, Ijob (Eyyub), wirkte hier. Zu besichtigen sind in Sanliurfa die Geburtshöhle Abrahams und der heilige See, mit heiligen und unantastbaren Karpfen darin. Der Überlieferung nach hat Gott Abraham vom Scheiterhaufen errettet, indem er das Feuer in Wasser und einzelne Glutbrocken  in Karpfen verwandelte.

Ein weiterer berühmter Prophet, dem Sanliurfa als Stammheimat zugeschrieben wird, ist Hiob. Die Hiobs Moschee und die Leidenshöhle des Hiob, in der der von Gott geprüfte einsam die ihm zugedachten Krankheiten ertrug, ohne in seinem Glauben zu wanken, können hier besucht werden.

Und wenn einem dabei ein seltener Kahlibis-Vogel begegnet, den es nur noch hier und in Afrika gibt, wird man für einen schönen Moment an die Verletzlichkeit der Schöpfung gemahnt. Über die schwierige Frage nachdenken, wie diese zu erhalten sei, sollte man aber besser bei einem Mirra, dem fantastischen Kaffee aus Urfa. Dann wird man Antworten finden.

Für Touristen ist die nördlich an Sanliurfa angrenzende Provinz Adiyaman  die wohl bekannteste. Denn hier lag einst die Hauptstadt des antiken Königreiches Kommagene. Der interessanteste Punkt der Provinz Adiyaman ist der Gipfel des Nemrut, der zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Seiner natürlichen Höhe von 2.100 Metern wurde noch ein Tamulus von 50 Metern hinzugefügt. Hier soll aller Wahrscheinlichkeit nach die letzte Ruhestätte der Könige Mithridates und Antiochos I. sein. Auf künstlichen Terrassen stehen die Kolossalstatuen der Götter von Kommagene und die des Antiochos.

Wer von heute in die Vergangenheit der Zukunft schauen will, der muss die Westterrasse des Berges Nemrut besuchen. Dort wurde das sogenannte Löwenhoroskop entdeckt, ein zwei mal zweieinhalb Meter großes Relief, das älteste bekannte Horoskop der Welt. Es zeigt die Sternenkonstellation, wie sie am 7. Juli 62 v. Chr. oder am 14. Juli 109 v. Chr. zu sehen war. Wenn man in diese Zukunft gesehen hat, dann sollte man auch den beispiellosen Sonnenuntergang oder -aufgang genießen, der von hier bei einem Gläschen Wein betrachtet, nicht zu übertreffen ist.

Multikulti – das Wort hätte in Mardin, östlich von Sanliurfa gelegen, erfunden sein können. Denn in dieser Stadt lebten Aramäer, Hurriter, Hethiter, Assyrer, Babylonier, Sumerer, Perser, Araber, Römer und Seldschuken. Die kulturelle Vielfalt bildet sich in der berühmten Altstadt und ihren traditionellen Häusern, ebenfalls auf die Aufnahme ins UNESCO Weltkulturerbe hoffend, deutlich ab. Weltmultikultur zeigt sich auch in den vielen Kirchen, Klöstern, Moscheen und Medresen (antike Schulen, oft mit angebauter Moschee) der Gegend. Herausragende Sehenswürdigkeiten: Das älteste Kloster der Gegend, Zafaran, drei Kilometer außerhalb der Stadt, erbaut 493 n. Chr.; die Große Moschee; die Reyhaniye Moschee mit achteckigen Minaretts. Besonders aber: die Sitti-Radavije-Medrese, wo ein Fußabdruck des Propheten Mohammed zu bestaunen ist.  
Und wenn man danach den herrlichen Blick von der Festung Mardin, Adlernest genannt, über die mesopotamische Ebene schweifen lässt, ahnt man, warum sich so viele Völker hier niederließen.

Den Weit- und Überblick der Gegend in die Wiege gelegt bekommen hat vermutlich auch der aus Mardin stammende Ekrem Dag, der es mit diesen Gaben als Mittelfeldspieler bei Besiktas Istanbul 2008 zum türkischen Meister und Pokalsieger gebracht und seit 2010 sogar in den Kader der österreichischen Fussballnationalmannschaft geschafft hat.

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